Inhalt

Charta Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Charta "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" ist ein öffentliches Bekenntnis zur Relevanz von familienfreundlichen Maßnahmen in Unternehmen und Organisationen. Sie soll einen Umdenkprozess fördern und ist ein Appell, familienfreundliche Maßnahmen zu implementieren und auszubauen.

Die Charta wurde von einem Gremium von Expertinnen und Experten, in dem auch die Wirtschaftskammer Österreich, die Industriellenvereinigung, der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Bundesarbeitskammer vertreten waren, erarbeitet.

Anlässlich der Abschlussveranstaltung zum Zukunftsforum "Familie & Wirtschaft" wurde die Charta am 21.5.2012 vom ehemaligen Familienminister Dr. Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftskammerpräsident Dr. Christoph Leitl, Arbeiterkammerpräsident Mag. Herbert Tumpel, Gewerkschaftspräsident Erich Foglar sowie dem Generalsekretär der Industriellenvereinigung Mag. Christoph Neumayer unterzeichnet.

Die Fassung der Charta "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" finden Sie hier.

 

Evaluierung der Charta „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“

In der Charta „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ist festgelegt, dass das Familienministerium alle drei Jahre ab Unterzeichnung evaluieren wird, inwieweit sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert hat. Im Dezember 2015 wurde die Evaluierung der Charta durch das Familienministerium unter Beteiligung der Wirtschaftskammer Österreich, der Bundesarbeitskammer, des Österreichischen Gewerkschaftsbunds und der Industriellenvereinigung abgeschlossen. Analog zu den Zielsetzungen der Charta wurden im Rahmen der Evaluierung Fragen zu den Themenschwerpunkten „interne Maßnahmen für eine nachhaltige Vereinbarkeit auf Ebene der Institutionen“, „Öffentlichkeits-/PR-/ Kommunikations-Aktivitäten zur Förderung der Sensibilisierung und Akzeptanz für familienfreundliche Maßnahmen“ „Studien/empirische Forschung, Darstellung von Best Practices“ und „Durchführung von Veranstaltungen, Tagungen, Wettbewerbe“ im Themenbereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf beantwortet. Insgesamt wurden 118 Maßnahmen seit 2012 durch die Institutionen neu initiiert oder weiterentwickelt und –geführt.

Die Ergebnisse der Evaluierung werden nun im „Zusammenfassender Evaluierungsbericht“ veröffentlicht – in diesem können die 118 Maßnahmen und Initiativen der unterzeichnenden Institutionen und Details zum Evaluierungsprozess nachgelesen werden.

Der Bericht steht hier zum Download als PDF-Version bereit.

 

Statements der Unterzeichner zur Charta "Vereinbarkeit von Familie und Beruf"

Bundesminister Dr. Reinhold Mitterlehner, ehemaliges Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend

"Eine familienfreundliche Arbeitswelt ist für die optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf von entscheidender Bedeutung. Daher habe ich im Herbst 2011 eine Strategiegruppe mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Interessenvertretungen eingesetzt. Ergebnis ihrer Beratungen ist die Charta Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die von der Wirtschaftskammer Österreich, der Bundesarbeitskammer, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund und der Industriellenvereinigung mitgetragen wird. 

Es gibt in Österreich schon jetzt eine Reihe von guten und nachahmenswerten Beispielen für Vereinbarkeitsmaßnahmen in der Wirtschaft. Auch hat die Wissenschaft bestätigt, dass sich Familienfreundlichkeit betriebswirtschaftlich lohnt. Beispiele dafür sind: Die Motivation steigt, die Krankenstände gehen zurück und die Rückkehrquote aus der Karenz verbessert sich. Wesentlich ist jedoch, dass familienfreundliche Angebote nicht nur punktuell, sondern flächendeckend und systematisch umgesetzt werden.
Die Charta soll für diesen Prozess des Umdenkens und als Aufforderung der Entwicklung und Förderung einer nachhaltigen und proaktiven Vereinbarkeitskultur einen wesentlichen Beitrag leisten. Als Schulterschluss wichtiger Partner soll die Charta dem Thema Vereinbarkeit auf allen Ebenen zusätzlichen Rückenwind verleihen, die Kommunikation und den Dialog fördern.
Damit nähern wir uns dem Ziel, Familienfreundlichkeit als Markenzeichen der österreichischen Wirtschaft zu etablieren." 

Präsident Dr. Christoph Leitl, Wirtschaftskammer Österreich
"Die Wirtschaft und die Unternehmen sind wichtige Akteure, die am Gelingen einer guten Vereinbarkeitskultur maßgeblich beteiligt sind. Insofern braucht es unsere Mitwirkung.

Die Wirtschaft profitiert auf vielerlei Weise von einer guten Vereinbarkeit. Ein Aspekt, den ich hier hervorheben möchte, ist der demografische Wandel. Damit verbunden ist u.a. ein Fachkräftemangel, den wir in einigen Bereichen bereits heute spüren (lt. Daten einer Marketstudie aus dem Jahr 2011, die im Auftrag der WKÖ erstellt wurde, haben sieben von zehn Arbeitgebern bereits aktuell Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter/innen zu finden. Bei Betrieben ab 20 Arbeitskräften trifft es bereits jede/n zweite/n, der eine personelle Lücke nicht zufriedenstellend schließen kann). Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Hebel, um diesem Mangel zu begegnen.

Mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen können sich Unternehmen im Wettbewerb um Arbeitnehmer/innen aller Qualifikationsstufen als attraktive Arbeitgeber/innen positionieren. Sie erhöhen damit die Bindung und Motivation jener Menschen, die bei ihnen beschäftigt sind.

Das bestätigen auch unsere eigenen Erfahrungen als familienfreundliche Institution. Wir sind im Rahmen des Audit berufundfamilie zertifiziert worden und als familienfreundliche Institution ausgezeichnet."

Präsident Mag. Herbert Tumpel, Bundesarbeitskammer und AK Wien
"Die AK bekennt sich zur Charta der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und setzt darauf, dass Familienbewusstsein und Chancengerechtigkeit in der Arbeitswelt zur Norm werden. Für uns als AK sind dabei drei Punkte ganz besonders wichtig:

Wie kann der Wiedereinstieg gelingen: Eine familienbewusste Personalpolitik durch die Unternehmen kommt den Arbeitnehmer/innen bei der Ausgestaltung der Arbeitszeit entgegen und achtet aktiv darauf, dass es nach der Karenz zu keinen Benachteiligungen kommt und die Karrierechancen von Frauen und Männern nach der Geburt von Kindern intakt bleiben.

Anreize für die Erhöhung der Väterbeteiligung: Die Vereinbarkeit wurde lange Zeit ausschließlich als reines „Frauenthema“ diskutiert. Es zeigt sich jedoch ein Bewusstseinswandel bei den Vätern, sie wollen sich immer mehr aktiv an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen. Die Schaffung eines Vatermonats ist aus Sicht der AK eine wichtige Maßnahme zur Unterstützung der aktiven Vaterschaft. Traditionelle Geschlechterrollen, die sich nach der Geburt eines Kindes verfestigen, könnten so von Anfang an aufgebrochen werden.

Arbeitsrechtliche Gleichstellung von Patchworkfamilien: Nach wie vor lebt die Mehrzahl der Menschen in der klassischen Familienform der Ehe mit eigenen Kindern. Darüber hinaus entscheiden sich aber immer mehr Menschen für andere Familienformen wie neu geschlossene Ehen, Lebensgemeinschaften oder eingetragene Partnerschaften, die von der Ehe abweichen. Diese Familienformen sind im Arbeitsrecht noch nicht ausreichend abgebildet. Gleiche Rechte etwa bei Pflegefreistellung, Dienstverhinderung im Unternehmen für alle Familienformen sind daher eine wichtige Herausforderung für die Zukunft."

Präsident Erich Foglar, Österreichischer Gewerkschaftsbund
"Familie, berufliche Pflichten und Karriere werden häufig als konkurrierende Interessen erlebt: Auf der einen Seite steht die Familie – und die damit in Zusammenhang stehenden Verpflichtungen und unverzichtbaren Leistungen für die Gesellschaft – auf der anderen Seite steht der berufliche Alltag in einem wettbewerbsorientierten Wirtschaftssystem sowie persönliche Karrierewünsche.

In einer modernen konkurrenzfähigen Arbeitswelt ist die Vereinbarkeit zwischen familiären, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufgaben von enormer Bedeutung, da insbesondere das gute Zusammenspiel dieser Bereiche die gesamtwirtschaftliche und gesellschaftspolitische Weiterentwicklung fördert. So kann durch gute Infrastruktur (z.B. Kinderbetreuungseinrichtungen) und rechtliche Rahmenbedingungen eine Win-Win Situation für Unternehmen und Familien entstehen: Denn erst durch rechtliche Rahmenbedingungen und ausreichende Betreuungseinrichtungen wird adäquater Schutz und Fürsorge von Kindern und Pflege von älteren Menschen im Familienumfeld ermöglicht. Und: Gerade soziale Fähigkeiten werden insbesondere im privaten Umfeld entwickelt und sind im beruflichen Umfeld unverzichtbare Schlüsselkompetenzen.

Bemühungen, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, sind daher dringend notwendig. Mit der Charta zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll ein Umdenkprozess in der Gesellschaft etabliert werden, der die Menschen weg von dem Gewissenkonflikt „Beruf oder Familie“ hin zu einem Bewusstseinswandel führt, in dem beides gut zu verknüpfen ist. Die Charta ist ein wichtiger erster Schritt, um die Wahrnehmung auch dahin gehend zu schärfen, dass Veränderungen für eine familienfreundliche Arbeitswelt eine Zukunftsinvestition ist, die sich nachhaltig lohnt."

Generalsekretär Mag. Christoph Neumayer, Industriellenvereinigung
"Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für Österreichs Unternehmen essentiell. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der damit einhergehenden Verschärfung des Fachkräftemangels ist es aus Sicht der Industrie notwendig, das heimische Arbeitskräftepotential optimal zu nutzen. Die bestmögliche Integration sämtlicher erwerbsfähiger Gruppen unserer Gesellschaft in den Arbeitsmarkt zählt daher zu einer der vorrangigen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen der Gegenwart.

Aus diesem Grund unterstützt die Industriellenvereinigung Initiativen, die zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen. Bereits heute wird diese Vereinbarkeit in zahlreichen österreichischen Unternehmen gelebt und stellt einen fixen Bestandteil in der Unternehmenskultur vieler Betriebe dar. Flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, aktives Karenzmanagement oder die Möglichkeit einer betrieblichen Kinderbetreuung sind dabei wesentliche Instrumente, die Beruf und Familie besser miteinander in Einklang bringen können.

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, braucht es allerdings nicht nur die entsprechenden Angebote der Betriebe, sondern auch einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung und entsprechende Rahmenbedingungen wie eine flächendeckende Kinderbetreuung."

Kontakt

Abt. I/9

Familienpolitische Grundsatzabteilung

E-Mail: post.II9@bmfj.gv.at