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Karmasin: „Gesunde Kinder von heute sind gesunde Erwachsene von morgen“

Familienministerin Karmasin fordert gemeinsam mit der Ärztekammer die Auswertung von schulärztlichen Daten und einen „Gesundheitskompass“ für Schülerinnen und Schüler

Familien- und Jugendministerin Dr. Sophie Karmasin mit Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm und Dr. Karl Forstner.

24 % der 7- bis 14-jährigen Kinder in Österreich sind übergewichtig. Das bedeutet einen Anstieg von 5 % seit dem Jahr 2008. Bei den 15- bis 30-Jährigen liegt der Anteil aktuell gar bei 26 %. Zudem nehmen auch chronische Krankheiten wie Neurodermitis, Asthma und Diabetes bei Schulkindern deutlich zu: Bereits rund 16 % aller 11- bis 15-Jährigen sind chronisch krank. „Diese Zahlen sind alarmierend. Prävention wird vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen umso wichtiger. Denn gesunde Kinder von heute sind gesunde Erwachsene von morgen“, sagt Familienministerin Sophie Karmasin. In Österreich gibt es bereits Instrumente, die gut funktionieren, wie der Mutter-Kind-Pass, Präventionsprogramme und schulärztliche Untersuchungen. Bei Schulärzten sieht die Familienministerin allerdings Optimierungsbedarf, „da mit den Gesundheitsblättern ein Datenschatz in den Schulen brachliegt“, denn die Daten werden derzeit weder zentral ausgewertet, noch stehen sie den Schülerinnen und Schülern nach dem Schulabschluss zur Verfügung. Bundesministerin Karmasin schlägt daher vor, nach dem Vorbild des Bildungskompasses, einen „Gesundheitskompass“ einzuführen, der die Schülerinnen und Schüler begleitet und ihnen damit ihre Gesundheitsdaten auch nach dem Schulabschluss zur Verfügung stehen.

Gesundheitsblätter auswerten als valide Basis für Prävention

Um Präventionsprogramme optimal steuern zu können, bedarf es einer Datenübersicht, die den aktuellen Gesundheitsstatus und die Gesundheitsentwicklung von Schulkindern abbildet. In Österreich fehlt es aber an diesen standardisierten und aussagekräftigen Daten. „Wir haben ein einzigartiges Schularztwesen, das mit einer anonymen Auswertung der durchgeführten schulärztlichen Untersuchungen optimiert werden könnte. Denn die mit wertvollen Gesundheitsinformationen befüllten Schularztbögen werden derzeit nicht zentral ausgewertet“, so Karmasin.

„Wir ,feiern‘ heuer ein zweifelhaftes Jubiläum“, ergänzt der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Leiter des ÖÄK-Schulärztereferats, Karl Forstner. „Seit nunmehr zwanzig Jahren landen die Ergebnisse der jährlichen Reihenuntersuchungen von Schülerinnen und Schülern in einem Datenfriedhof, weil man sich über die Finanzierung nicht einigen kann.“ Seitens der Ärztekammer sei man daher sehr froh über das Engagement des Ministeriums für Familien und Jugend. Forstner: „Die in unterschiedlichen Softwareprogrammen erfassten Daten müssen endlich in eine österreichweit einheitliche Datenbank überführt und ausgewertet werden.“ Wenn Medizin weitestgehend evidenzbasiert erfolgen soll, könne man es sich nicht leisten, Daten zum Gesundheitszustand der heranwachsenden Generationen brachliegen zu lassen – „obwohl oder gerade weil die Auswertung wunde Punkte im System aufzeigen könnte“. Etwa wenn sich zeigen sollte, dass der Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in bestimmten Schultypen oder Regionen schlechter ist als in anderen. „Dann muss man – im Sinne von ,health in all policies‘ – umfassend gegensteuern und dazu können die Schulärztinnen und Schulärzte ganz wesentlich beitragen.“ Denn zusätzlich zu Reihenuntersuchungen und Aufgaben wie Gutachten oder erster Hilfe wirken Schulärzte vor allem als medizinische Berater für Lehrer, Eltern und Schüler, z.B. in Fragen der Prävention, bei der Integration chronisch kranker Kinder etc. „Die Schüler können aber auch von sich aus ohne E-Card mit dem Schularzt über gesundheitliche oder psychische Probleme sprechen – ein wichtiges niederschwelliges Angebot, das gerade in der Pubertät sehr gut angenommen wird“, so ÖÄK-Vizepräsident Forstner.

Mehr Ernährungs- und Bewegungsprogramme

Die Pandemie des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen und deren Folgen werden von der WHO als größte „Herausforderung der Gesundheitspolitik“ bezeichnet. Die WHO fordert auf, Gesundheitsdaten zu erheben, wissenschaftlich auszuwerten und gezielte, nachweisbar wirksame Maßnahmen zur Eindämmung einzuleiten. „Das einzige evaluierte Präventionsprojekt in Österreich, das von privaten Sponsoren finanziert wird, ist das in Wien seit 3 Jahren laufende EDDY Projekt“, sagt Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin.

Ziel des Projektes ist, mit wissenschaftlichen Methoden Interventionsprogramme zu entwickeln und diese auf ihre Wirksamkeit zu evaluieren. Dabei soll sowohl die körperliche Fitness erhöht als auch der Lebensstil in Richtung Vermeidung von ernährungsabhängigen Erkrankungen nachhaltig verbessert werden. Die vorliegenden und publizierten Ergebnisse zeigen klar auf, dass Prävention möglich und erfolgreich ist.