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Geschichte des BMFJ

Wussten Sie, dass es das österreichische Familien- und Jugendministerium seit 30 Jahren gibt?

Die Vorgeschichte der Familienagenden

Die Institutionalisierung der Familienagenden im Bereich der Bundesverwaltung begann in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Im Mai 1966 wurde von der ÖVP-Alleinregierung bei der Neuordnung der Ministerienkompetenzen festgelegt, dass das Bundeskanzleramt (BKA) auch „alle allgemeinen Fragen der Familienpolitik zu behandeln“ habe (BGBl. Nr. 70/1966). Im Juli 1966 wurde dann im BKA ein familienpolitisches Referat geschaffen. Im Jahr darauf folgte der nächste Schritt: Der Familienpolitische Beirat wurde beim BKA als Beratungsgremium eingerichtet (BGBl. 112/1967).

Sichtbar in der Bundesregierung verankert wurden die Familienagenden Anfang der 1970er Jahre. Bei der Bildung der ersten SPÖ-Alleinregierung wurde 1971 im BKA die Position eines Staatssekretärs für Familienpolitik mit den Kompetenzbereichen allgemeine Familienpolitik, FLAF und Familienpolitischer Beirat geschaffen. Staatssekretärin wurde Elfriede Karl, die diese Aufgabe zwölf Jahre lang ausübte. Im Jahr 1979 gab es eine Veränderung in der Ressortzuordnung, denn die Familienagenden wurden vom BKA dem Finanzministerium (BMF) übertragen (BGBl. Nr. 555/1979). Das Staatssekretariat war damit im BMF angesiedelt, der Aufgabenbereich blieb aber gleich.

 

Die Vorgeschichte der Jugendagenden

Bereits 1953 wurde der Österreichische Bundesjugendring (ÖBJR) von sieben Jugendorganisationen (Katholische Jugend, Katholische Jungschar, Sozialistische Jugend, Gewerkschaftsjugend, Pfadfinder, Evangelische Jugend, Österreichische Jugendbewegung) gegründet. Neben der Möglichkeit für die Jugend mit einer Stimme zu sprechen um dadurch mehr Gewicht gegenüber der Regierung bei Jugendthemen zu haben, war vor allem das Verbot vieler Jugendorganisationen während des Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Motivation zur Gründung eines Dachverbands für Jugendorganisationen. So wie auch bei der heutigen Bundesjugendvertretung war es das Ziel des Bundesjugendringes als Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen sowie deren Organisationen aufzutreten, sowie als Plattform für Jugendliche von unterschiedlicher weltanschaulicher, religiöser und sozialer Überzeugung gemeinsame Standpunkte zu entwickeln. Darüber hinaus hatte der Bundesjugendring die Aufgabe übertragen erhalten, die Aufteilung der Fördermittel auf die Mitgliedsorganisationen selbst vorzunehmen. Zur Verfügung gestellt wurden diese Fördermittel zunächst aus einer Abteilung im Unterrichtsressort, welche für Angelegenheiten der außerschulischen Jugenderziehung zuständig war.


Die Errichtung des Familien- und Jugendministeriums

1983 wurde die „Familien- und Jugendpolitik“ als eigenständiger ministerieller Kompetenzbereich etabliert. Im Zusammenhang mit der Bildung einer kleinen Koalition zwischen SPÖ und FPÖ wurde im Dezember 1983 das Bundesministeriengesetz geändert und ein eigenes Familien- und Jugendministerium errichtet (BGBl. Nr. 617/1983), mit der bisherigen Staatssekretärin Elfriede Karl als erste Familien- und Jugendministerin in der II. Republik. Seit 1.1.1984 sind damit sowohl die Familien- wie auch die Jugendagenden in der Bundesregierung fix verankert und durch Minister/innen vertreten.

Die Zuständigkeiten des neu errichteten Ministeriums umfassten 1983 einerseits „Allgemeine Angelegenheiten der Familienpolitik einschließlich der Koordination der Familienpolitik und der Familienförderung“ Dazu kamen als Kompetenzen unter anderem der Familienpolitische Beirat, die Familienberatung und der FLAF sowie familienpolitische Angelegenheiten in Bereichen wie Wohnungswesen, Gesundheit, Ehe- und Kindschaftsrecht und Sozialversicherung. Ein weiterer Kompetenzbereich ist die allgemeine Bevölkerungspolitik (BGBl. Nr. 617/1983). Diese politischen Agenden haben sich seither nur unwesentlich verändert.

Andererseits legte das Bundesministeriengesetz 1983 auch die Zuständigkeit für "Angelegenheiten der außerschulischen Jugenderziehung, soweit es sich nicht um außerschulische Berufsausbildung handelt. Dazu gehören insbesondere auch: Allgemeine Angelegenheiten und Koordination der Jugendpolitik" sowie die "Ideelle und finanzielle Förderung von Einrichtungen und Veranstaltungen der außerschulischen Jugenderziehung." fest.

Eine Konstante in den vergangenen 30 Jahren war somit die Kombination der ministeriellen Zuständigkeiten für Familie und Jugend, die aber immer wieder mit unterschiedlichen zusätzlichen Ressorts wie Konsumentenschutz, Umwelt, Soziales, Gesundheit oder Wirtschaft verknüpft wurden.

Im Rahmen der Regierungsbildung nach der Nationalratswahl 2013 wurden die Familien- und Jugendagenden von der Wirtschaft getrennt. Seit der Änderung des Bundesministeriengesetzes (BGBl. I Nr. 11/2014) gibt es nun (wieder) ein eigenständiges Familien- und Jugendministerium.


Bezeichnungen und Ressortzuständigkeiten seit 1983:

1983: BM für Familie, Jugend und Konsumentenschutz (BGBl. Nr. 617/1983)
1987: BM für Umwelt, Jugend und Familie (BGBl. Nr. 78/1987)
1994: BM für Jugend und Familie (BGBl. Nr. 1105/1994)
1996: BM für Umwelt, Jugend und Familie (BGBl. Nr. 201/1996)
2000: BM für Soziale Sicherheit und Generationen (BGBl. I Nr. 16/2000)
2003: BM für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz (BGBl. I Nr.17/2003)
2007: BM für Gesundheit, Familie und Jugend (BGBl. I Nr. 6/2007)
2009: BM für Wirtschaft, Familie und Jugend (BGBl. I Nr. 3/2009)
2014: BM für Familien und Jugend (BGBl. I Nr. 11/2014)

 

Die Familien- und Jugendstaatssekretärinnen:

Februar 2003 – Jänner 2005: Ursula Haubner

Dezember 2008 - November 2010: Christine Marek

November 2010 - April 2011: Mag. Verena Remler


Die Familien- und Jugendministerinnen und -minister seit 1983:

ab Mai 1983: Elfriede Karl (SPÖ)
ab September 1984: Gertrude Fröhlich-Sandner (SPÖ)
ab Jänner 1987: Dr. Marilies Flemming (ÖVP)
ab März 1991: Dkfm. Ruth Feldgrill-Zankel (ÖVP)
ab November 1992: Maria Rauch-Kallat (ÖVP)
ab November 1994: Dr. Sonja Stiegelbauer (ÖVP) (ehemals Moser)
ab März 1996: Dr. Martin Bartenstein (ÖVP)
ab April 2000: Dr. Elisabeth Sickl (FPÖ)
ab Oktober 2000: Mag. Herbert Haupt (FPÖ)
ab Mai 2003: Ursula Haubner (FPÖ/BZÖ)
ab März 2007: Dr. Andrea Kdolsky (ÖVP)
ab Februar 2009: Dr. Reinhold Mitterlehner (ÖVP)
seit März 2014: Dr. Sophie Karmasin