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Bundesstelle für Sektenfragen

Die Bundesstelle für Sektenfragen und einzelne Familienberatungsstellen bieten Information und Beratung.

Staatliche Informationsarbeit

Die Informationstätigkeit staatlicher Stellen greift nicht in die Gewissens-, und Meinungs- und Religionsfreiheit ein. Die Information muss sich auf das System und die Strukturen einer so genannten Sekte und deren Auswirkungen auf den Einzelnen oder eine Gruppe beziehen. Aufgabe ist es, den einseitigen Selbstdarstellungen mancher Gruppen vielfältigere Informationen gegenüber zu stellen. Ziel muss es sein, den Einzelnen damit eine breite Entscheidungsgrundlage über einen etwaigen Beitritt zu liefern; die Entscheidung selbst muss aber in der Eigenverantwortung des Einzelnen bleiben. Schon mit Entschließung des Nationalrates (E 155-NR/XVIII.GP.) vom 14.Juli 1994 wurde daher die Bundesregierung ersucht, sich mit "Sekten, pseudoreligiösen Gruppen, Vereinigungen und Organisationen sowie destruktiven Kulten" auseinander zu setzen und entsprechende Schritte durch Aufklärung und Information zu setzen.

Sekteninformation seitens staatlicher Einrichtungen unterhalb der Schwelle von Rechtsverletzungen ist dabei möglich, wenn

  • sie auf die Bedrohung von psychischer oder physischer Gesundheit hinweist,
  • sie dem Schutz der Integrität des Familienlebens dient,
  • sie auf extreme finanzielle Verstrickungen hinweist,
  • sie damit den freien Ein- und Austritt des Einzelnen gewährleistet und insbesondere
  • wenn es um das Wohl von Kindern und Jugendlichen geht, die in unserer Rechtsordnung durchgehend einen besonderen Schutz genießen.

Bundesstelle für Sektenfragen

Mit dem "Bundesgesetz über die Einrichtung einer Dokumentations- und Informationsstelle für Sektenfragen", BGBl. Nr. 150/ 1998, wurde die Bundesstelle für Sektenfragen per 1. September 1998 als selbstständige Anstalt öffentlichen Rechts eingerichtet.

Aufgabe der Bundesstelle ist die Dokumentation und Information über Gefährdungen, die von "Sekten" oder sektenähnlichen Aktivitäten ausgehen können, sofern für deren Vorliegen ein begründeter Verdacht besteht und diese Gefährdungen bestimmte besonders schutzwürdige Güter oder Interessen betreffen.

In diesem Rahmen ist die Bundesstelle berechtigt Informationen zu sammeln, auszuwerten und weiterzugeben, Betroffene zu beraten, mit in- und ausländischen Stellen zusammenzuarbeiten und Forschungsprojekte zu entwickeln, zu koordinieren und zu leiten. Die für diese Arbeit erforderlichen Daten werden aus öffentlich zugänglichen Quellen oder aus freiwilligen Mitteilungen erhoben.

Bei der Wahrnehmung ihrer Arbeit wird besonders auf die Grundfreiheiten und Menschenrechte einschließlich der Glaubens-, Religions- und Gewissensfreiheit geachtet. Weiters wird auf die strenge Einhaltung des Datenschutzgesetzes großer Wert gelegt. Die Verpflichtung zu Sachlichkeit, Objektivität und wahrheitsgetreuer Information ist grundlegender Bestandteil ihrer Tätigkeit. Die Bundesstelle für Sektenfragen ist eine konfessionell unabhängige und weisungsfreie Einrichtung. Sie unterliegt den im Rahmen des Bundesgesetzes vorgesehenen Aufsichtsrechten durch den zuständigen Bundesminister (derzeit der Bundesministerin für Familien und Jugend).

Nicht zuletzt wurde mit der Einrichtung dieser selbstständigen Dokumentations- und Informationsstelle dem Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach Information und Beratung entsprochen.

Bundesstelle für Sektenfragen
Wollzeile 12/2/19
A-1010 Wien
Tel.: +43-(0)1-5130460
Fax: +43-(0)1-5130460-30
E-Mail: bundesstelle@sektenfragen.at
Web: www.bundesstelle-sektenfragen.at

Beratungs- und Informationsstellen

Erstinformation, vertiefende Information, Rat und Hilfe vermitteln die Informations- und Beratungsstellen, die auf "Sekten" und Weltanschauungsgruppen spezialisiert sind. Sie dienen als erste Anlaufstelle. Sekteninformations- und Beratungsstellen stehen häufig in Verbindung mit Selbsthilfegruppen oder engagierten Einzelpersonen. Sie können meist Kontakte zu Betroffenen, in seltenen Fällen auch zu ehemaligen Kultanhängern herstellen. Als weitere Hilfs- und Beratungseinrichtungen empfehlen sich ferner die lokalen kommunalen Erziehungs-, Jugend-, Ehe- und Familienberatungsstellen.

Der "Kontakt" eines Angehörigen, Elternteils oder Partners zu einer sogenannten "Sekte" kann in Familien und Partnerschaften zu Konflikten in der Beziehung zueinander führen: Nichtverständnis der gegenseitigen Einstellungen, Kommunikationsprobleme, Trennungsängste, Erziehungskonflikte, finanzielle Probleme, etc. Diese lassen sich oft nicht mehr alleine bewältigen. Um Partnern, Kindern, Jugendlichen und sonstigen Bezugspersonen (Großeltern, Freunde/-innen ...) in dieser Situation Hilfestellung geben zu können, stehen seit Jänner 1998 vom Bundesministerium geförderte Familienberatungsstellen zur Verfügung, die eine kostenlose und anonyme Beratung bei (psychischen) Problemen und Konflikten zu dieser Thematik anbieten.